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Herr Jung, Animalist
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Herr Jung, Animalist

Essays, Reiseberichte und Beobachtungen aus Natur und Kultur, geschrieben mit dem Blick eines Animalisten.

Gemälde von Chantal Kaufmann: Ein Kind hält mit geschlossenen Augen einen Welpen, ein Ferkel und eine weiße Ratte im Arm.
Chantal Kaufmann, „A Rat is a Pig is a Dog is a Boy“ (2022).

Diese Seite versammelt Texte über das, was mich beschäftigt: Menschen, deren Denken mich geprägt hat, Orte, die ich bereist habe, Landschaften, Bücher, Ausstellungen, die Frage, was auf den Teller kommt. Die Themen sind offen. Was sie zusammenhält, ist nicht der Gegenstand, sondern der Blick.

Dieser Blick hat einen Namen. Animalist nennt die französische Philosophin Corine Pelluchon Menschen, die sich mit ihrer Lebensweise und ihrem Handeln für die Interessen der Tiere einsetzen. Sie hat das Wort geprägt, ich habe es übernommen. Wer so denkt, lebt in der Konsequenz vegan. Denn vegan ist keine Ernährungsweise, sondern eine ethische Haltung, und die lässt sich in einem Satz sagen:

„Vegan bedeutet, anderen fühlenden Lebewesen Mitgefühl entgegenzubringen.“

Herr Jung

Dass ein so einfacher Satz so schwer zu leben ist, hat wenig mit Argumenten zu tun. „Gewohnheit, Sitte und Brauch sind stärker als die Wahrheit“, lautet ein Satz, der Voltaire zugeschrieben wird. Gegen diese Trägheit schreibt diese Seite an, nicht mit Vorwürfen, sondern mit Texten, die zeigen, wie viel Welt sich öffnet, wenn man den Kreis des Mitgefühls weiter zieht.

Das Bild

Das Gemälde auf der Startseite und hier stammt von der Zürcher Künstlerin Chantal Kaufmann, die sich selbst „Artivistin“ nennt, Malerin und Tierrechtsaktivistin in einer Person. „A Rat is a Pig is a Dog is a Boy“, Acryl auf Leinwand, 50 mal 60 Zentimeter, entstand 2022 für die Aktion „Kunst gegen Speziesismus“ von PETA Deutschland. Sechs Künstlerinnen und Künstler waren eingeladen, in ihrer eigenen Bildsprache zu zeigen, wie willkürlich wir Tiere in Haustiere, Nutztiere und Schädlinge einteilen. Chantal Kaufmanns Antwort ist ein Junge, der mit geschlossenen Augen drei Tiere im Arm hält, die unsere Kultur auf drei Regale sortiert: den Hund, den wir streicheln, das Schwein, das wir essen, die Ratte, die wir bekämpfen. Er schaut nicht hin, er spürt. In seiner Umarmung ist die Ordnung aufgehoben, und keines der drei Tiere hat Angst. Der Junge bin ich.

Der Titel hat eine eigene Geschichte. Ingrid Newkirk, Mitgründerin der Tierrechtsorganisation PETA, sagte 1986 dem Magazin Washingtonian: „When it comes to having a central nervous system, and the ability to feel pain, hunger, and thirst, a rat is a pig is a dog is a boy.“ Auf Deutsch: Was ein zentrales Nervensystem und die Fähigkeit betrifft, Schmerz, Hunger und Durst zu empfinden, ist eine Ratte ein Schwein ist ein Hund ist ein Junge. Drei Jahre später wiederholte sie den Satz in der Vogue, verkürzt und mit dem Nachsatz, es seien alles Säugetiere. In dieser knappen Form wurde er zum meistzitierten Satz der Tierrechtsbewegung und zugleich zu ihrem meistverdrehten: Gegner lasen heraus, ein Kind sei nicht mehr wert als eine Ratte, und ein Buch gegen die Bewegung trug 2010 den Satz sogar als Titel. Gemeint war das Gegenteil einer Abwertung. Nicht, dass Ratte, Schwein, Hund und Junge dasselbe seien, sondern dass sie dasselbe fühlen können.

Chantal Kaufmanns Bild führt den Satz zu diesem Ursprung zurück. Es zeigt keine Gleichung, sondern eine Umarmung. Mehr über die Künstlerin und ihre Arbeit auf chantal-kaufmann.ch. Abbildung mit freundlicher Genehmigung.

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